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Von der fixen Idee zur internen Anwendung: Wie Agentic & Vibe Coding das „Undenkbare“ möglich macht

Von der fixen Idee zur internen Anwendung: Wie Agentic & Vibe Coding das „Undenkbare“ möglich macht

Ein Erfahrungsbericht aus dem Spannungsfeld zwischen Agile Coaching und Softwareentwicklung

Hand aufs Herz: Kennst du das auch? Eine Idee schlummert im Hinterkopf, ein interner Prozess läuft suboptimal, oft noch mit Dokument-Vorlagen oder veralteten Dateiablagen gemanagt. Man weiß, es ginge besser, effizienter, digitaler. Doch dann schlägt die Realität zu: „Keine Zeit“, „zu teuer“, „dafür haben wir keine Kapazitäten“.

Gerade in Consultingfirmen, wo die besten Köpfe im Optimalfall für den Kunden im Einsatz sind, werden solche internen Optimierungen schnell herunterpriorisiert oder landen gar nicht erst auf dem Tisch. Als Agile Coach bin ich ständig auf der Suche nach Wegen, Arbeitsabläufe zu verbessern. Ich sehe das Potenzial, aber oft fehlen mir die Möglichkeiten, um selbst etwas zu verbessern. Oft soll ich das auch gar nicht… aber manchmal juckt es einen eben doch in den Fingern. Man muss dazu sagen, dass ich ursprünglich meinen Berufsweg als Software-Entwickler angefangen habe. Auch wenn ich heute eher Teams bewege als Code-Zeilen, ist die Leidenschaft für das „Coden“ geblieben.

Das Dilemma: Die Profile-Hölle

Genau in diesem Dilemma steckte ich kürzlich. Wir brauchten einen besseren Weg, unsere Consultant-Profile zu verwalten. Das sind jene Lebensläufe, die wir Kunden schicken, um unsere Expertise zu beweisen. Bisher fristeten diese Profile ihr Dasein in den Tiefen unstrukturierter Dokumente, verteilt auf diverse Dateiablagen. Ein Albtraum für jede schnelle Kundenanfrage, insbesondere, wenn irgendjemand mal wieder das Format „zerschossen“ hat.

Softwareentwicklung für interne Tools ist normalerweise zu teuer oder eigene Entwicklerkapazitäten sind oft auf Monate ausgebucht. Doch was, wenn wir die Spielregeln ändern könnten? In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meine Reise, wie ich ein solches „undenkbares“ Projekt mit der Unterstützung von Agentic und Vibe Coding realisiert habe.

Definition: Agentic Coding

Unter Agentic Coding versteht man einen Entwicklungsprozess, bei dem KI-Agenten (innerhalb einer Entwicklungsumgebung wie Cursor) aktiv Aufgaben übernehmen. Sie schreiben nicht nur Code, sondern können Fehlermeldungen analysieren, dateiübergreifend arbeiten und komplexe Logik-Vorschläge umsetzen.

Der erste Sprung: Der „Aha-Moment“ im Profilemanager

Mit dieser fixen Idee im Gepäck startete ich das Experiment. Ich hatte mir eine Entwicklungsumgebung namens Cursor besorgt, die speziell auf die Arbeit mit KI-Agenten ausgelegt ist. Zuvor hatte ich nur an kleineren Tools geschraubt, doch der Schmerz über unsere Profile-Verwaltung war groß genug, um den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.

Was dann passierte, war einer dieser seltenen Augenblicke, in denen man merkt, dass sich technologisch etwas Grundlegendes verschiebt. Mit einem LLM (Large Language Model) als Partner konnte ich in erstaunlich kurzer Zeit eine erste funktionierende Software des Profilemanagers auf die Beine stellen.

Es fühlte sich nicht mehr an wie das langsame Tippen jeder einzelnen Zeile, die Konstruktion jeder einzelnen Funktion. Ich war eher der Dirigent, der die Richtung vorgibt, während das Orchester (der Agent) die schwere Arbeit übernimmt. Plötzlich war das, was vorher eine vage Vision mit einem dicken Fragezeichen war, greifbar auf meinem Bildschirm. Ein unglaubliches Gefühl von Empowerment!

Learnings & Hürden: Wenn die Begeisterung auf die Realität trifft

Doch wie bei jeder echten Reise gab es auch hier Hürden. Wer glaubt, man drückt einen Knopf und die perfekte Enterprise-Software fällt heraus, der irrt.

  1. Der Sprint-Start und der Marathon-Gedanke (Refactoring)

Die Geschwindigkeit, mit der der erste Entwurf entstand, war berauschend. Aber, und das ist ein großes Aber: Was im unstrukturierten Entwurfsmodus wahnsinnig effizient ist, entspricht nicht unbedingt den Anforderungen einer wartbaren Software-Lösung. Die Ideen sprudelten, aber die technische Struktur hinkte hinterher. Mein altes Entwickler-Herz meldete sich: Wenn wir das ernsthaft nutzen wollen, müssen wir es „auf saubere Füße stellen“. Das hieß: Refactoring! Eine saubere Projektstruktur ist kein Luxus. Nach einem kurzen Innehalten zum „Aufräumen“ ging es dann aber mit einem wesentlich besseren Gefühl weiter. Sowohl ich als auch der Agent hatten plötzlich wieder den vollen Durchblick.

  1. Wenn der Agent sich „verläuft“

Natürlich entstehen Fehler, es tauchen Fehlermeldungen auf oder es funktioniert nicht wie erwartet. Beim Debugging musste ich feststellen, dass Sprachmodelle manchmal hartnäckig an einem falschen Ansatz festhalten. Amüsant war dabei, dass mein Agent im Chat immer wieder versicherte, nun die „finale, endgültig beste Lösung“ gefunden zu haben – nur um kurz darauf mit demselben Fehler zu scheitern. Hier ist der menschliche Navigator gefragt. Man muss das Problem einschätzen können, den Agenten sanft umleiten oder auch mal einen komplett neuen Chat starten, um den „negativen Kontext“ zu löschen. Ohne mein technisches Grundverständnis wäre ich hier vermutlich gestrandet.

Definition: Vibe Coding

Ein Begriff für das Programmieren durch natürliche Sprache. Der Entwickler gibt den „Vibe“ (die Richtung, das Design, die Logik) vor, und die KI übersetzt diese intuitive Vision in präzisen Code. Es minimiert die Barriere zwischen einer Idee und ihrer technischen Umsetzung.

  1. Die Magie der Autokorrektur

Ein faszinierender Moment: Ich gab dem Agenten für eine Fehleranalyse eingeschränkten Zugriff auf die Konsole. Er konnte die Ergebnisse des Programmlaufs selbst analysieren und einen neuen Testlauf starten. Ihm dabei zuzusehen, wie er sich bei Folgefehlern eigenständig korrigierte, bis das System lief, war wie Science Fiction. Er hat mir in diesen Situationen deutlich mehr Zeit erspart, als er durch seine gelegentlichen „Irrfahrten“ verursacht hat.

  1. Tests sind deine besten Freunde

Nachdem ich eine Weile begeistert Features hinzugefügt hatte, kam das ungute Gefühl auf: Kann ich das alles noch manuell prüfen? Nein. Also: Feature-Pause für automatisierte Tests. Dieser Zeitpunkt war goldrichtig! Ein folgendes größeres Refactoring brachte die Codebasis durcheinander, aber die Tests schlugen korrekterweise sofort fehl. Auf dieser Basis konnte ich dem Agenten die Korrektur überlassen. Es war eine echte Erleichterung.

UI-Design: Endlich hübsche Oberflächen

Ein Bereich, in dem der Agent eine riesige Hilfe war, ist das UI-Design. Ich war nie ein begnadeter Designer. Aber durch natürliches Beschreiben meiner Vorstellungen lieferte der Agent Designs, die für mich wirklich ansprechend waren. Natürlich hätte ein Profi hier noch mehr rausholen können aber man muss auch bedenken worfür das ganze gedacht ist. Ein Learning für die Zukunft: Bei wachsender Anwendung muss man darauf achten, dass das Styling einheitlich bleibt. Man sollte der KI früh sagen: „Verwende durchgehend dieses spezifische Design-System.“

Fazit: Demokratisierung der Entwicklung

Am Ende steht nicht nur ein Tool, sondern der Beweis: Agentic & Vibe Coding verändert viel. Expertise trifft Empowerment: Plötzlich können Menschen mit Visionen und essenziellen Grundkenntnissen (auch wenn sie keine Vollzeit-Entwickler sind) wertvolle digitale Lösungen bauen.

  • Beschleunigung: Ideen, die früher in der Schublade verstaubten, werden realisierbar.
  • Agilität: Wir schließen die Lücke zwischen „was wäre toll“ und „was ist machbar“.

Ausblick: Dein „unmögliches“ Projekt wartet

Meine Reise mit dem Profilemanager hat gezeigt, dass diese Werkzeuge die Innovationsfähigkeit von Unternehmen grundlegend verändern können. Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern darum, ihre Fähigkeiten massiv zu erweitern.

Frage an dich: Welche „fixe Idee“ für einen internen Prozess hast du schon vor langer Zeit aus Kosten- oder Zeitgründen abgeschrieben? Vielleicht ist es an der Zeit, sie wieder hervorzuholen. Mit Agentic Coding ist dein „undenkbares“ Projekt plötzlich machbar.

Simon Hufen, Head of PaC, agiler Coach

Simon Hufen 
Head of Projects and Coaching, Agile Coach

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